Darf ich bitten?
Fotografie und Papiercollage
Katja Tschirwitz
"Trockenschwimmen" 2025
handgeschnittene Papiercollage (30x21 cm)
Hartmannstraße 29, Würzburg, Türgriff 03
Fotoensemble auf Aludibond (Zweifachfotografie, 60x80 cm)
"Kältetherapie, blau-rosa" 2025
handgeschnittene Papiercollage (24x28 cm)
Collagen: Zwischen Poesie und Provokation
Meine Papiercollagen sind Grenzgänge. Aus archiviertem Bildmaterial und eigenen Fotografien erschaffe ich hybride Wesen und rätselhafte Gebilde, die beunruhigen, bezaubern oder amüsieren. Architekturfragmente treffen auf die Weite leerer Landschaften; der Mensch zeigt sich zerstückt oder abgewandt.
Inspiriert vom Erbe der Surrealisten und Dadaisten, die mich schon in früher Kindheit anzogen, verschmelzen in meinen Arbeiten „Damals“ und „Heute“ zu einer poetischen Anderswelt. Subtil, plakativ, ironisch oder makaber: In meinen handgeschnittenen Papiercollagen wird das Unmögliche zur scheinbaren Realität.
Fotografie: Rhythmus und Struktur
Seit 2022 arbeite ich mit der Kamera meiner verstorbenen Mutter – ein Erbe, das den Anstoß für meine Fotoensembles gab. In neunteiligen Serien rücke ich (nicht nur) Alltagsarchitektur in ein neues Licht: eine alte Fabrikhalle, Betonpfeiler oder einen sonnengleißenden Türgriff.
Durch die Zerlegung in neun Teilansichten schaffe ich stark rhythmisierte Kompositionen, die Rückschlüsse auf meine musikalische Sozialisation zulassen – und das Spektakuläre im Schlichten offenbaren. Meine im Experiment entwickelte Technik ist die Zweifachfotografie, die meisten Werke entstehen also in zwei zeitlich und örtlich unabhängigen Prozessen. Zunächst fotografiere ich mit der Spiegelreflex draußen vor Ort. Drinnen nehme ich dann verschiedene Ausschnitte des Kameradisplays mit einem alten IPhone auf - neuere produzieren in meinen Augen keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Die bewusste „Doppelverpixelung“ durch die Kombination zweier digitaler Geräte weicht harte Konturen auf und verleiht den Bildern eine mitunter textile, fast malerische Anmutung. An anderen Stellen erinnert ihre Ästhetik ans frühe Farbfernsehen oder an Bilder in alten Zeitschriften – in reizvollem Kontrast zu den zeitgenössischen Motiven.
Alles beginnt
... am Bücherregal. Schon früh weckten Bildbände von René Magritte und Max Ernst meine Faszination fürs Unbewusste. Was als kindliches Staunen begann, prägte meinen Blick auf die Welt.
... geht weiter
... mit der Lust am Papier, Das Archivieren von Mode-, Tier- und Architekturfotografien wurde zur Vorbereitung für mein eigenes kreatives Schaffen. Start in den Kulturjournalismus.
... und mündet
... in der Courage zur Kunst. 2020 geriet die Welt ins Stocken. In dieser Unzeit verdichteten sich meine Erfahrungen zu etwas Neuem. Aus Pandemie und Rückzug erwuchsen die Coronagen, die bis heute stetig weiterreifen.